„Wo kommen wir denn hin, wenn das alle machen würden?“ (Ein klassischer Satz aus der Schulzeit)
Wir würden uns endlich bewegen! Wenn jeder so leben würde, wie es seinem Wesen entspricht – im eigenen Tempo und auf die eigene Art.
Schon im Elternhaus, spätestens aber in der Schule beginnt es: Wir müssen uns anpassen. „MAN macht das halt so.“ „ES gehört sich so.“ In der Schulzeit wird das verstärkt: „Wo kämen wir da hin, wenn das jeder machen würde? Dann würden die anderen das auch wollen, also darfst du es nicht.“ Vorsichtshalber schon mal nicht.
Aber geht es dabei wirklich ums Kind? Oder geht es darum, dass wir unsere eigenen Grenzen und Ängste auf das Kind übertragen? Die Sorge: Was, wenn mein Kind „übrig bleibt“, wenn aus ihm nichts wird? Wenn mein Kind aus der Reihe tanzt – fällt das dann auf mich zurück?
Aus meiner Sicht dürfen wir hier in so vielem umdenken. Wir sollten die „Trotzphase“ oder die „Pubertät“ aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten: aus der Sicht der unverarbeiteten Verletzungen der Eltern. Das eigene Kind drückt genau diese Punkte – oft alle gleichzeitig.
Was wäre, wenn wir unsere Kinder von klein auf mit anderen Augen betrachten? Wenn wir innerlich so aufgeräumt wären, dass das Miteinander ganz anders verlaufen könnte, als wir es uns bisher vorstellen können?
Wir sind überzeugt, dass diese „Phasen“ eben jeder hat und sie ganz natürlich so ablaufen müssen. Aber jeder von uns hat auch diese wunden Punkte, die unsere Kinder triggern. Wer diese Punkte am lautesten verstecken will und nicht hinschaut, bei dem werden diese Phasen besonders „wild“.
Wenn wir rechtzeitig anfangen hinzuschauen, aufzuräumen, zu reflektieren und selbst zu heilen, schaffen wir für unsere Kinder einen Raum, in dem sie sich entfalten können, ohne in diesen Phasen festzustecken. Dann entsteht eine Verbindung, die viele in dieser Zeit für unmöglich halten.
Ich meine damit nicht das normale Abnabeln, das „Gleich!“ oder das „Kein Bock“. Ich meine unsere Reaktion darauf. Den Umgang damit. Sätze wie: „Du hast mir nicht...“, „Solange du deine Füße unter meinen Tisch...“ oder eben: „Wo kommen wir da hin? Das Leben ist kein Ponyhof!“
Aber was, wenn doch? Was, wenn Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, sich ganz ohne unsere alten Muster zu entfalten? Wenn sie uns zeigen, wo unsere Grenzen und Wunden liegen, und wir dies annehmen, um uns gemeinsam weiterzuentwickeln? Wo wären wir dann?
Ein soziales Miteinander fängt bei uns selbst an. Wie mit mir umgegangen wurde, so gehe ich oft mit anderen um. Es formt sich meiner Meinung nach nicht am Gegenüber, sondern beginnt in uns. An den anderen sehen wir lediglich, wo wir noch Themen aufzuarbeiten haben. Es ist unsere Entscheidung, ob wir hinschauen.
Selbst wenn wir erst spät damit beginnen, ist es kostbar. Jedes reflektierte, authentische Miteinander ist ein Geschenk für unsere Kinder – und in weiterer Folge für deren Kinder.
Hinschauen tut nicht weh. Hinschauen löst auf und bringt Ruhe und Frieden. Konsequenzen wirken anfangs vielleicht nicht einfach, aber oft betrachten wir sie nur durch den Filter unserer Ängste statt neutral. Dieser Schritt ist so wichtig für die kommenden Generationen.
Dieses Hinschauen zieht sich durch alle Lebensbereiche: Ernährung, Beziehung, Schule, Job, Familie.
Also: Wo kommen wir denn hin, wenn das alle machen würden? Wenn alle ihren inneren Weg gehen und jeder diese Möglichkeit bekäme?
Würde sich dann nicht endlich etwas bewegen?
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